André

Anthurium crystallinum Linden & André

 

Anthurium crystallinum ist eine 1873 von Linden & André beschriebene Anthurienspezies aus der Sektion Cardiolonchium, welche in Kolumbien und Panama beheimatet ist. Die ursprüngliche botanische Beschreibung basiert auf einer Sammlung von Wallis aus einer Gegend namens "Nueva Grenada", welche heute in Kolumbien vermutet wird. Diese Pflanze wurde von Linden 1873 in Brüssel kultiviert. Ebenso ist diese Pflanze auch auf zeitgenössischen Abbildungen zu sehen, welche heute ebenfalls im Internet zu finden sind.

 

Ein synonymer, wenn auch deutlich seltener verwendeter Name, lautet Anthurium killipianum L. Uribe.

Es existieren weitere Sammlungen, wie z.B. die von J.P. Folsom 1977 am Cerro Pirre (Darién, Panama), welche dieser Spezies zunächst zugeordnet wurden. Interessant erscheint hier, dass die gesammelte Pflanze einen sehr weiten Sinus aufweist.

Zudem nennenswert ist eine Sammlung von Dr. Fairchild, welche ebenfalls in der Nähe des Cerro Pirre entnommen worden sein soll und an der Universität von Hawaii kultiviert wurde. Diese erschien morphologisch näher an der ursprünglichen Beschreibung von Linden & André, wies jedoch neben dem leicht gewellten Rand einen ca. um einen Zentimeter geschlossenen Sinus auf. Experten halten dies für möglich, da insbesondere unter Stress andere als Anthurium crystallinum identifizierte Pflanzen ebenfalls einen teilweise geschlossenen Sinus zeigen. Dies ist nicht notwendigerweise ein sicherer Hinweis auf eine Hybridisierung mit Anthurium forgetii.

Zeitgenössischer Sammlungen aus Kolumbien, welche der Illustration von 1873 entsprechen, liegen nicht vor.

In der Beschreibung wird Anthurium crystallinum als eine epiphytisch wachsende Pflanze mit bis zu 25 Zentimeter langem Stamm und eiförmigen Blättern, welche spitz zulaufen, beschrieben. Die Basis ist tief gelappt, d.h. die Lobus formen einen engen Sinus. Die Petiole kann rotviolett tingiert sein. Die Beschaffenheit des Blattes wird als moderat dünn und samtig beschrieben. Die Farbe ist matt grün, alle Hauptvenen und einige Sekundärvenen werden auf der Vorderseite von einem blassen Umriss begleitet. Die Venen sind an der Basis leicht erhoben, zur Blattspitze hin leicht eingesunken. Die Infloreszenz steht gerade nach oben. Der Stamm ist manchmal rotviolett tingiert. Ebenso ist die länglich-lanzenförmige Blütenscheide (Spatha) grünlich bis stark rotviolett tingiert. Der Kolben ist zunächst grün und wird anschließend gelb. Die Beeren sind purpurrot bis violett mit weißen Anteilen.

Insgesamt lässt sich anmerken, dass diese Beschreibung sowohl auf Pflanzen zutrifft, welche wir heute unter dem Namen Anthurium crystallinum kennen, jedoch auch zu großen Teilen auf solche Pflanzen anwendbar ist, welche im Handel und in der Hortikultur als Anthurium besseae aff bezeichnet werden. Es wird vermutet, dass es sich bei den jüngeren o.g. Sammlungen möglicherweise nicht um Anthurium crystallinum im engeren Sinne, sondern um eine nahverwandte Spezies gehandelt hat. Zur kritischen Auseinandersetzung mit diesem Thema siehe auch unseren Artikel zu Anthurium besseae aff.

Die Tatsache, dass als rein erachtete Anthurium crystallinum wieder auf dem Markt verfügbar sind, lässt sich darauf zurückführen, dass große südamerikanische Anbieter diese vor wenigen Jahren wieder in Reinform angeboten haben. Zudem wurden Nachzuchten reiner Anthurium crystallinum von Jay Vannini unter dem Namen Anthurium crystallinum ‘ex Antioquia‘ mit Hinweis auf ihre Herkunft auf den Markt gebracht. Es wird angenommen, dass es sich bei den meisten zuvor kursierenden Anthurium crystallinum um Hybriden mit z.B. Anthurium magnificum oder Anthurium regale in verschiedener Ausprägung und Komplexität gehandelt hat und reine Anthurium crystallinum bis zu diesem Zeitpunkt sehr selten waren.

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